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Berufsverband der Augenärzte
Deutschlands e.V. (BVA)

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Düsseldorf, 05.03.99

Optiker muß unnötige Prismenbrille zurücknehmen

Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. weist darauf hin, daß nach einer gerichtlichen Entscheidung Augenoptiker keine Prismenbrille ohne augenärztliche Verordnung zum Ausgleich einer sogenannten "Winkelfehlsichtigkeit" zum Kauf empfehlen dürfen.

Das Amtsgericht Bensheim (AZ: 6 C 758/98) hat am 22.01.99 entschieden, daß ein Optiker den Eltern die gezahlten Beträge für eine Prismenbrille zurückerstatten muß, die er ihrem Kind ohne augenärztliche Verordnung abgegeben hatte. Der Augenoptiker handelt fehlerhaft, wenn er im Rahmen der Beratung des Kunden die Verwendung von Prismengläsern empfiehlt, ohne zuvor einen Augenarzt zu konsultieren, der über die Notwendigkeit der Prismengläser befindet und sie gegebenenfalls verordnet.

Das Urteil befindet sich im Einklang mit den Heil- und Hilfsmittelrichtlinien der gesetzlichen Krankenversicherung, die seit dem 09.04.1997 für den Bereich der Sehhilfen ebenfalls vorschreiben, daß nur dann Gläser mit prismatischer Wirkung verordnet werden dürfen, wenn sie zur Behandlung von Beschwerden erforderlich sind, die durch krankhafte Störungen in der sensorischen und motorischen Zusammenarbeit der Augen ausgelöst werden. Dies kann wiederum nur der Augenarzt feststellen.

Die augenärztliche Verordnung ist selbst dann notwendig, wenn der Kunde nach Belehrung auf die Konsultierung eines Augenarztes ausdrücklich verzichtet hat.

Damit hat sich erstmals ein Gericht mit der Abgabe von Prismenbrillen ohne augenärztliches Rezept befaßt. Optiker dürfen zwar Brillengläser bestimmen und abgeben, Gläser mit Prismen bedürfen aber der augenärztlichen Verordnung. Prismen lenken das Bild des betrachteten Objekts ab und greifen somit in die komplizierten Mechanismen des beidäugigen Sehens ein. Augenärzte verordnen deshalb Prismengläser nur dann, wenn das beidäugige Sehen gestört ist und vor allem, wenn dem Patienten daraus Beschwerden erwachsen. Dies gilt besonders für das sogenannte latente oder verborgene Schielen, im wissenschaftlichen Sprachgebrauch Heterophorie genannt.

Optiker behaupten, unter Berufung auf eine einzige Untersuchungsmethode, die Meß- und Korrektionsmethodik nach Haase, die Ursache für vielerlei Beschwerden, insbesondere für Lese-Rechtschreib-Schwächen herauszufinden. Sie verwenden dafür den Begriff der "Winkelfehlsichtigkeit", den es weder in der Wissenschaft noch in den DIN-Normen gibt.

Augenärzte beobachten seit Jahren, daß Optiker mit steigender Tendenz ihre Kunden mit Prismengläsern versorgen, die selten nützen, aber dafür um so öfter Schaden anrichten. Die Augenärzte äußern hauptsächlich Bedenken dagegen, daß die Augen von Kindern durch unkritische Abgabe von Prismengläsern in einen operationsbedürftigen Zustand getrieben werden oder daß Krankheiten des Sehorgans über unverantwortlich lange Zeit unentdeckt bleiben.


Bitte beachten Sie auch die Heil- und Hilfsmittelrichtlinien, die nach § 12 und § 92 SGB V verpflichtend sind.
Stand: 05.03.99